19.03.2020

Coronavirus: Finanzielle Unterstützung für Unternehmen - Zuschüsse, Steuererleichterungen und Kredite

geschrieben von Stefan Grave

Welche Liquiditätshilfen und Zuschüsse können beantragt werden und welche steuerlichen Entlastungen gibt es?

Welche Liquiditätshilfen und Zuschüsse kann ich in Anspruch nehmen?

Sowohl der Bund als auch das Land NRW haben auf die Folgen der Coronavirus-Epidemie für die Wirtschaft reagiert und umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen für die Wirtschaft auf den Weg gebracht. Ein Überblick:

Hilfen des Bundes 

Ein Kernpunkt des Soforthilfe-Paketes sind direkte Zuschüsse als Einmalzahlung. Kleine Unternehmen und Selbstständige, Handwerker und Freiberufler erhalten unbürokratisch für bis zu drei Monate 9.000 Euro (bis 5 Mitarbeiter) bis 15.000 Euro (bis 10 Mitarbeiter). Damit sollen laufende Betriebskosten wie Mieten oder Leasingraten gedeckt werden. Voraussetzung ist, dass sich das Unternehmen vor März 2020 nicht in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befunden hat, also die wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine Folge der Corona-Krise sind. Insgesamt stellt der Bund hierzu bis zu 50 Milliarden Euro bereit. Die Auszahlung der Mittel soll ab nächster Woche möglich sein. Die Antragstellung ist voraussichtlich ab Freitag Mittag möglich. Sie soll ausschließlich elektronisch erfolgen. Weitere Informationen unter dem unten stehenden Link "Zuschüsse von Bund und Land"

Für etwas größere Betriebe ist ein Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) geplant, in den mehrere 100 Milliarden Euro fließen. Er beeinhaltet Staatsgarantien für Verbindlichkeiten von Unternehmen sowie ein unbegrenztes Kreditprogramm, das über die staatliche Förderbank KfW bereitgestellt werden soll. Auch Verstaatlichungen sind nicht ausgeschlossen.  

So unterliegen der KfW-Unternehmerkredite und der ERP-Gründerkredite Universell gelockerten Bedingungen: Zum einen werden Risikoübernahmen (bis zu 90 % Haftungsfreistellung) erhöht, die Zinsen werden nochmals reduziert und die Instrumente werden auch für Großunternehmen geöffnet. Die verbesserten Bedingungen sind Teil des KfW-Sonderprogrammes 2020. Die Programme stehen Unternehmen zur Verfügung, die wegen der Corona-Krise vorübergehend in Finanzierungsschwierigkeiten geraten sind. Konkret heißt dies, dass alle Unternehmen, die zum 31.12.2019 nicht in Schwierigkeiten waren, einen Kredit beantragen können. Es können Investitionen und Betriebsmittel finanziert werden. Anträge können ab sofort über die Hausbank gestellt werden. Auszahlungen erfolgen schnellstmöglich. Eine einfache und unbürokratische Antragsbearbeitung wird sichergestellt.

Informationen zu den Kreditprogrammen der KfW finden Sie unter www.kfw.de . Die Hotline für gewerbliche Kredite lautet: 0800 539 9001.

Die öffentlichen Kredit- und Bürgschaftsprogramme sind in der Regel über die Hausbank zu beantragen. Deshalb ist es empfehlenswert zeitnah das Gespräch mit der eigenen Bank zu suchen.

Hilfen des Landes NRW 

Das Land NRW hat in Ergänzung zum Bund einen landeseigenen Rettungsschirm mit einem Sondervermögen von 25 Milliarden Euro aufgespannt, um die Folgen der Coronakrise abzufedern und Arbeitsplätze zu sichern. 

In Ergänzung zum Soforthilfe-Programm des Bundes (bis 15.000 EUR für Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten) stellt das Land NRW unter dem Namen "Soforthilfe 2020" Zuschüsse in Höhe von 25.000 EUR für Unternehmen mit 10 bis 50 Beschäftigten zur Verfügung. Eine Antragstellung ist ab Freitag möglich. Weitere Informationen unter dem unten stehenden Link "Zuschüsse von Bund und Land"

Daneben werden Zugänge zu Haftungsfreistellungen und Bürgschaften bei Kreditaufnahmen erleichert.

Informationen zu dem kompletten Maßnahmenpaket "Unternehmen-Soforthilfe NRW" finden Sie unter www.wirtschaft.nrw und unter dem unten stehenden Link. 

Die Hotline für den Rettungsschirm ist ab sofort geschaltet. Sie erreichen die Hotline werktags zwischen 8:00 und 18:00 Uhr unter der Telefonnummer 0208 30004-39.

Daneben haben schon jetzt kleine Unternehmen und Existenzgründer die Möglichkeit, aus dem Mikromezzaninfonds Beteiligungskapital von bis zu 75.000 Euro direkt bei der Kapitalbeteiligungsgesellschaft (KBG) in Neuss zu beantragen. Sicherheiten sind hierfür vom Unternehmen nicht zu stellen. Weitere Informationen zum Mikromezzaninfonds finden sie unter www.kbg-nrw.de

Darüber hinaus bieten auch die NRW.BANK als Förderbank des Landes kurzfristige Liquiditätshilfen wie beispielsweise den NRW.BANK Universalkredit für Unternehmen vor Ort an. Sie ist unter www.nrwbank.de oder 0211/91741-4800 zu erreichen.

Öffentliche Bürgschaften 

Die Bürgschaftsbanken verdoppeln den Bürgschaftshöchstbetrag auf 2,5 Millionen Euro. Sie können darüber hinaus Bürgschaftsentscheidungen bis 250.000 Euro eigenständig und innerhalb von drei Tagen fällen (Expressbürgschaft). Die Bürgschaftsquote beträgt in der Regel 80 % des Kreditbetrages. Geplant ist eine Erhöhung auf 90 %. Die Bürgschaftsbank für Nordrhein-Westfalen finden Sie unter www.bb-nrw.de. Eine Hotline ist unter 02131/5107-220 eingerichtet. Weitergehende Informationen der Bürgschaftsbank für Unternehmen finden Sie im nebenstehenden Download-Bereich.

Eine kostenlose Anfrage für ein Finanzierungsvorhaben können Sie auch online über das Finanzierungsportal der Bürgschaftsbanken stellen. Dieses finden Sie unter https://finanzierungsportal.ermoeglicher.de. 

Zudem stellt der Bund – ähnlich wie in der Finanzkrise von 2009 – Exportkreditgarantien (Hermesbürgschaften) bereit, um Unternehmen vor Zahlungsrisiken im Auslandsgeschäft zu schützen. Informationen unter www.agaportla.de und 040 88 34-90 90

Für Bürgschaftsbeträge ab 2,5 Millionen EUR können Bürgschaften des Landes NRW beantragt werden. Die Antragstellung und Abwicklung erfolgt über die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (www.pwc.de). Die Bearbeitung soll innerhalb einer Woche erfolgen.

Welche steuerlichen Entlastungen gibt es?

Die Finanzverwaltung NRW kommt von der Krise betroffenen Unternehmen auf Antrag mit zinslosen Steuerstundungen (Einkommen-, Körperschaft- und Umsatzsteuer) und der Herabsetzung von Vorauszahlungen (Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer) entgegen und nutzt ihren Ermessensspielraum zu Gunsten der Steuerpflichtigen weitest Möglich aus. Für die entsprechenden Anträge steht ab sofort ein stark vereinfachtes Antragsformular zur Verfügung. Das Formular ist im nebenstehenden Download-Bereich abrufbar. Diese Anträge sind per Post an das zuständige Finanzamt oder über das elektronische Kontaktformular, das auf der Homepage des zuständigen Finanzamtes zur Verfügung steht, zu übermitteln. Darüber hinaus finden Sie im Download-Bereich eine Anleitung wie Sie mit dem Elster-Formular "Antrag auf Dauerfristverlängerung –Anmeldung der Sondervorauszahlung“ (USt 1 H) die Sondervorauszahlungen für Dauerfristverlängerungen bei der Umsatzsteuer bis auf Null senken können.

 Konkret geht es folgende Maßnahmen:

  1. Von Vollstreckungsmaßnahmen wird bis auf Weiteres abgesehen. Säumniszuschläge   werden erlassen.
  2. Steuerstundungen
  3. Sondervorauszahlungen für Dauerfristverlängerungen bei der Umsatzsteuer für krisenbetroffene Unternehmen werden auf Antrag auf Null herabgesetzt.

Es ist empfehlenswert, sich hierzu zeitnah mit dem zuständigen Finanzamt in Verbindung zu setzen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Ermächtigungen zum Lastschrifteinzug zunächst weiterbestehen. Diese könnten zur Verhinderung größerer Abbuchungen durch die Finanzverwaltung kurzfristig widerrufen werden. 

Bei den Steuern, die von der Zollverwaltung verwaltet werden (z.B. Energiesteuer und Luftverkehrssteuer), ist die Hauptzollämter angewiesen worden, den Steuerpflichtigen entgegenzukommen. Gleiches gilt für das Bundeszentralamt für Steuern, das für die Versicherungssteuer und die Umsatzsteuer zuständig ist und entsprechend verfahren wird.

Unternehmen, die von den Auswirkungen der Coronakrise betroffen sind, werden gebeten, sich an das zuständige Hauptzollamt zu wenden. Um eine zügige Antragsbearbeitung zu gewährleisten, sind die Anträge entsprechend zu begründen und der Zusammenhang zur Corona-Krise glaubhaft darzulegen. Die Hauptzollämter werden Anträge möglichst entgegenkommend bearbeiten.

Die vollständigen Informationen des deutschen Zolls dazu finden Sie unter www.zoll.de 

Bund und Land stellen nicht rückzahlbare Zuschüsse für Unternehmen mit bis zu 50 Miatarbeitern zur Verfügung