26.11.2020

"Keine Pflicht, sondern eine Freude"

geschrieben von Jörg A. Linden

Am 25. November leuchteten unsere "Stars der Ausbildung" im Autokino am Gysenbergpark in Herne. Hier finden Sie auch die Bildergalerie ...

Azubi des Jahres 2020
Joomakhan Yusufi - Azubi des Jahres – Bild: Stephan Münnich

Kein festlich geschmückter Saal, kein Gruppenbild auf der Bühne, keine „Nachfeier“ nach der Preisverleihung. Stattdessen Autokino, Lichthupe, Wärmedecken und Mindestabstand. Die „Stars der Ausbildung“ der IHK Mittleres Ruhrgebiet wurden am 25. November im Rahmen einer kleinen Festveranstaltung im Autokino am Gysenbergpark in Herne geehrt – eine außergewöhnliche Ehrung in außergewöhnlichen Zeiten. Der Stimmung taten die Umstände auf jeden Fall keinen Abbruch …

Zum zweiten Mal ehrte die IHK bei den „Stars der Ausbildung“ neben den Prüfungsbesten des Ausbildungsjahres 2020 den „Azubi des Jahres“, bereits zum dritten Mal den „Ausbildungsbetrieb des Jahres“. Bei dieser Preisverleihung geht es ausdrücklich nicht darum, den Prüfungs-Überflieger oder jenen Betrieb auszuzeichnen, der die meisten „Einser“ hervorgebracht hat. Es geht stattdessen darum, Engagement auch fern der Ausbildung sowie Wertschätzung und Unterstützung während der Ausbildung auszuzeichnen.

Der Stern als „Azubi des Jahres“ ging an Joomakhan Yusufi, der im Jahr 2015 als Flüchtling aus Afghanistan nach Deutschland kam und 2017 im Hattinger Restaurant „Diergardt – Zum kühlen Grunde“ eine Ausbildung als Koch begonnen hatte und in diesem Jahr erfolgreich abgeschlossen hat. „Ich wusste damals gar nicht, was eine Ausbildung ist. Ich konnte gar kein Deutsch“, erzählte Yusufi. Deshalb sei die Berufsschulzeit auch am Anfang besonders schwierig gewesen. „Im ersten Jahr habe ich gedacht, ich schaffe das nicht. Aber mein Chef hat gesagt, Du schaffst das …“ Stimmt. „Ich bin gespannt, wann es bei Diergardt die ersten afghanischen Speisen auf der Karte gibt“, kommentierte IHK-Präsident Wilfried Neuhaus-Galladé in Richtung von Philipp Diergardt.

Ausbildungsbetrieb 2020
Tobias Nawrocki, Geschäftsführer Tobias Rademann und Luisa Pillath (v. l.) von der R.iT GmbH – Bild: Stephan Münnich

„Ausbildungsbetrieb des Jahres“ ist die R.iT GmbH aus Bochum. Ein IT-Dienstleister, 2001 als Spin-off der Ruhr-Uni gegründet, bereits seit 2003 Ausbildungsbetrieb. Nominiert waren darüber hinaus die rku.it GmbH, Herne; die VOLL digital GmbH, Hattingen; die Ernst Wagener Hydraulikteile GmbH, Hattingen; sowie die TMR GmbH, Bochum. Ex-R.iT-Azubi Tobias Nawrocki, der seine Ausbildung auch mit der Note „Sehr gut“ abschloss, hatte sein Unternehmen vorgeschlagen: „Ich kann mir keinen besseren Ausbildungsbetrieb vorstellen. Und ich wurde noch nicht einmal zu dieser Aussage gezwungen“, schmunzelte er auf Nachfrage von IHK-Mitarbeiterin Dr. Katja Fox, neben ihrer Kollegin Jenni Duggen eine der Moderatorinnen des Abends.

Beeindruckend das Statement von R.iT-Geschäftsführer Tobias Rademann: „Für mich ist Ausbildung keine Pflicht, sondern eine Freude.“ Es sei für ihn „toll zu sehen“, wie sich Auszubildende über die Jahre entwickelten. Und mahnend hinterher: „Ich kann nicht verstehen, warum viele Unternehmen nicht ausbilden …“

Ein leidenschaftliches Plädoyer für Ausbildung hatte zuvor auch IHK-Präsident Wilfried Neuhaus-Galladé bei seiner kurzen Begrüßungsrede gehalten: „Wer sich von der Ausbildung verabschiedet, sägt an den Pfeilern seines eigenen Unternehmens. Zusätzlich zur Pandemie.“ Gleichzeitig betonte er, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im IHK-Bezirk aus seiner Sicht belege, dass viele Unternehmen auch in Corona-Zeiten weiterhin auf Ausbildung setzten. Im IHK-Bezirk – Bochum, Herne, Witten und Hattingen – gab es 2020 nur ein geringfügiges Minus, in Herne sogar ein stattliches Plus.

Der IHK-Präsident weiter: „Wenn die Wirtschaft wieder brummt, wenn die Aufträge wieder eingehen, wenn die Dienstleistungen wieder abgefragt werden – dann brauchen alle Unternehmen gute Fachkräfte. Und die fallen nicht vom Himmel, die gibt es nicht unbegrenzt. Wenn uns die Fachkräfte ausgehen, können wir auch die Betriebs-Tore runterfahren lassen. Und weil ein Unternehmer immer vorausschauend denken und handeln muss, ergibt sich daraus folgende klare Botschaft: Ausbildung ist und bleibt wichtig – auch in Zeiten einer Pandemie. Was man heute versäumt, kann man nur schwerlich aufholen. Wenn überhaupt …“

Der Rest des Abends gehörte den Prüfungsbesten, die ihren Stern in diesem Jahr nicht auf der Bühne, sondern – mit größtmöglichem Abstand – durchs Autofenster überreicht bekamen. Und dies unter dem Applaus des gesamten Autokinos – mit Warnblinker und Lichthupe.

1.549 Auszubildende haben in diesem Jahr im IHK-Bezirk ihre Prüfung erfolgreich abgeschlossen – 99 schafften dies mit der Note „Sehr gut“, sie alle sind „Stars der Ausbildung“. Unter den Prüfungsbesten waren 38 Frauen und 61 Männer. 59 „Sehr Gute“ machten ihre Ausbildung in Unternehmen in Bochum, 15 in Herne, 14 in Witten, fünf in Hattingen und sechs in Unternehmen außerhalb des IHK-Bezirks. Die Betriebe mit der höchsten Zahl an „Einsern“ waren die ThyssenKrupp Steel Europe AG (neun), die Lidl Vertriebs GmbH & Co. KG (fünf) sowie die Stadtwerke Holding GmbH, Bochum, und die BOGESTRA mit jeweils vier.

„Wer sich von der Ausbildung verabschiedet, sägt an den Pfeilern seines eigenen Unternehmens. Zusätzlich zur Pandemie.“

—IHK-Präsident Wilfried Neuhaus-Galladé

Bildergalerie Stars der Ausbildung 2020

Was für eine Stimmung ... eine schöne Erinnerung. Einfach mal durchblättern.