11.05.2020

Ausbildung Mediengestalter Digital und Print - So gelingt's

geschrieben von Alexandra Brnicanin

2 Spezialisierungen, 3 Fachrichtungen, 64 Wahlqualifikationen in drei Auswahllisten!?! Wir schaffen Klarheit!

Päckchen
Geschenke mit Anhänger "Just for you" – Bild: Kerstin Riemer auf Pixabay

Sie bilden Mediengestalter Digital und Print aus oder sind auf dem Weg dazu, dies bald zu tun? Prima! 

Damit Sie nicht von der wirklich komplexen Ausbildungsordnung abgeschreckt werden, geben wir in diesem Beitrag einen umfassenden Überblick darüber, welche Inhalte der Ausbildungsordnung speziell für Ihre Ausbildung relevant sind und zeigen Ihnen ein nützliches Tool zur Erstellung eines Ausbildungsplanes.

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Die Ausbildungsordnung

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Damit Sie wissen, worüber wir sprechen, schaffen wir erst einmal eine gemeinsame Basis. Hier finden Sie die Ausbildungsordnung. Herunterladen und beim Lesen dieses Berichtes bereithalten. Los geht's:

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Ausbildungsordnung
Ausbildungsordnung der Mediengestalter Digital und Print – Bild: Auszug aus dem Bundesgesetzblatt

Die 30 Seiten umfassende Ausbildungsordnung in diesem Beruf kann auf den ersten Blick einschüchternd wirken. Muss sie aber nicht.

Basics: Ausbildungsordnung als Grundlage für die im Betrieb vermittelten Inhalte:

Die Ausbildungsordnung ist die Grundlage für den betrieblichen Teil der Ausbildung. Der in der Ausbildungsordnung enthaltene Aubildungsrahmenplan (S. 1181 ff.) gibt die Inhalte vor, die im Betrieb zu vermitteln sind. Die zeitliche Vorgabe, wann und wie lange ein Inhalt vermittelt werden soll, ist in dieser Ausbildungsordnung direkt neben dem Inhalt vermerkt ("Zeitliche Richtwerte in Wochen").

Die Inhalte, die dagegen im Berufskolleg vermittelt werden, werden durch die sogenannten Rahmenlehrpläne geregelt. 

Ausbildungsrahmenplan und  Rahmenlehrplan sind aufeinander abgestimmt, damit betriebliche Berufsausbildung und Berufsschulunterricht
einander optimal ergänzen.

Muss ich als Betrieb alle Inhalte der 30 Seiten umfassenden Ausbildungsordnung vermitteln?

Hier die gute Nachricht: nein! Die Ausbildungsordnung dieses Berufes ist modular aufgebaut. Sie besteht aus Pflichtinhalten und Wahlmöglichkeiten.

Hintergrund ist, dass die Betriebe, in denen Mediengestalter beschäftigt sind, sehr unterschiedlich sind. Die flexibel gestaltete Ausbildungsordnung soll dem Rechnung tragen und es möglichst vielen Unternehmen unterschiedlicher Branchen ermöglichen, durch Ausbildung ihren Fachkräftebedarf decken zu können.

Step by step

2 Spezialisierungen, 3 Fachrichtungen, 64 Wahlqualifikationen: Schritt für Schritt zum Ausbildungsplan!

Digital/Print
Digital und Print – Bild: fumingli und thenning auf Pixabay

Was darf es sein? Die Spezialisierung: Digital oder Print?

Der Ausbildungsberuf kann in der Spezialisierung "Digital" oder "Print" ausgebildet werden. Die Wahl der Spezialisierung hängt davon ab, was gestaltet werden soll (z.B. Pro­spekte, Plakate, Mes­se­wände, Ver­pa­ckun­gen, Zei­tun­gen, Zeitschrif­ten oder Inter­net­sei­ten).

Die Fachrichtungen: Beratung und Planung, Konzeption und Visualisierung oder Gestaltung und Technik.

Neben der Spezialisierung (Digital/Print) kann auch noch aus drei Fachrichtungen gewählt werden.

1. Beratung und Planung (der Marketingspezialist):  In dieser Fachrichtung geht es darum, die Projektplanung für Medienprodukte durchzuführen, die Kunden zu beraten und zu betreuen und für diese Angebote zu erstellen. Projektmanagement und Präsentationen sind wichtiger Bestandteil  dieser Fachrichtung. Die Datenbearbeitung erfolgt projektbezogen.

2. Konzeption und Visualisierung (der kreativ Tätige): In dieser Fachrichtung geht es darum, Kundenaufträge zu analysieren und die Umfeldbedingungen sowie die Zielgruppen zu recherchieren. Um die Konzepte zu erstellen, kommen vielfältige Kreativtechniken zum Einsatz. Die Ideen und Entwürfe müssen visualisiert und präsentiert werden. Auch die Ausarbeitung von Entwürfen für die mediengerechte Weiterverarbeitung ist Bestandteil einer Ausbildung in dieser Fachrichtung.

3. Gestaltung und Technik (der Datenaufbereiter): In dieser Fachrichtung geht es darum, Produktionsabläufe zu planen und die Elemente von Medienprodukten zu gestalten. Dabei werden Medienelemente miteinander kombiniert und für unterschiedliche Medien bereitgestellt sowie auf unterschiedlichen Medien ausgegeben. Daten werden für die Mehrfachnutzung übernommen, erstellt, transferiert und konvertiert. Die Arbeitsergebnisse werden mit dem Kunden abgestimmt.

WQ in der VO MediengestalterD+P
Auszug aus der AusbildungsordnungMediengestalter Digital und Print – Bild: Bundesgesetzblatt

Die Qual der Wahl: Die Wahlqualifikationen (WQs)

64 Wahlqualifikationen in drei Auswahllisten. Das ist eine Ansage! 5 davon müssen gewählt werden. Die Wahl richtet sich nach der individuellen Produktionsstruktur des ausbildenden Unternehmens. 

Aber Achtung: Nicht jede Wahlqualifikation kann in jeder Fachrichtung gewählt werden. Und nicht alle Wahlqualifikationen sind untereinander kombinierbar!

Aber: Ein Schritt nach dem anderen!

Auf den Seiten 1174 - 1175 der Ausbildungsordnung finden Sie eine Liste der möglichen Wahlqualifikationen mit der Zuordnung zur möglichen Fachrichtung.

Aus der Auswahlliste I sind 2 Wahlqualifkationen zu wählen. In den ersten 18 Monaten der Ausbildung werden die Inhalte der gewählten WQs mit einem Umfang von je 8 Wochen vermittelt. Die Inhalte dieser WQs finden Sie in der Ausbildungsordnung auf den Seiten 1187 - 1190.

Aus der Auswahlliste II sind ebenfalls 2 Wahlqualifikationen zu wählen. Die Inhalte werden erst nach der Zwischenprüfung - also ab dem 19. Monat der Ausbildung - mit einem Umfang von je 6 Wochen vermittelt. Die Inhalte dieser WQs finden Sie in der Ausbildungsordnung auf den Seiten 1190 - 1196.

Aus der Auswahlliste III ist 1 Wahlqualifikation zu wählen. Auch diese Inhalte werden erst nach der Zwischenprüfung in einem Umfang von 12 Wochen vermittelt. Die Inhalte dieser WQs finden Sie in der Ausbildungsordnung auf den Seiten 1196 - 1202.

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Scrabble-Schriftzug "Media" – Bild: Peter Seibold auf Pixabay

Wie setzt sich nun der betriebliche Ausbildungsplan zusammen?

Egal welche Spezialisierung und welche Fachrichtung Sie gewählt haben: Alles beginnt mit Abschnitt A: Gemeinsame Kenntnisse und Fertigkeiten auf den Seiten 1181 - 1184.

Nun kommen die Fachrichtungen  und die fachbezogenen Qualifikationen ins Spiel.

Wird die Fachrichtung "Beratung und Planung" gewählt, dann folgen für alle Auszubildende mit dieser Fachrichtung die Inhalte auf den Seiten 1184 - 1185 (Abschnitt B).

Für die Fachrichtung "Konzeption und Visualisierung" sind die Seiten 1185 - 1186 (Abschnitt C) relevant.

Die Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten, die für alle Auszubildende der Fachrichtung "Gestaltung und Technik" zu vermitteln sind, finden Sie auf den Seiten 1186 - 1187.

Vervollständigt wird der Ausbildungsplan noch durch die Wahl der 5 WQs (s.o).

Damit auch bei der Wahl der WQs nichts schief gehen kann, stellen wir Ihnen gleich ein hilfreiches Tool vor. Aber zunächst eine Bitte:

Bitte daran denken: Sollten Sie im Verlauf der Ausbildung die bei Vertragslegung gewählten Wahlqualifikationen oder die Fachrichtung ändern wollen, nehmen Sie bitte Kontakt mit der Ausbildungsberatung auf.

Hilfe bei der Zusammenstellung des Ausbildungsplanes

Hiermit kann gar nichts schief gehen: Der Zentral-Fachausschuss Berufsbildung Druck und Medien stellt auf seiner Homepage einen Ausbildungsplaner mit Plausibilitätsprüfung zur Verügung. Der Ausbildungsplan kann hier mit InDesign oder Word erstellt werden. Zusammenstellen, ausdrucken, fertig!

Ortseingangsschild
Ortseingangsschild mit der Aufschrift "Ende" – Bild: Gerd Altmann auf Pixabay

Puh, so weit geschafft!

Nach der Pflicht nun zum Schluss noch die Kür und eine Bitte, um die reibungslose Abwicklung der Prüfungsorganisation gewährleisten zu können und weden den Betrieb, noch den Auszubildenden am Ende des Weges noch unnötig unter Stress zu setzen:

Ganz wichtig! Bei der Aufforderung zur Anmeldung zur Abschlussprüfung prüfen Sie bitte, ob die WQ III angegeben ist und ob diese korrekt ist. Und bitte nicht "sicherheitshalber" mal besser mehr als eine WQ III angeben. Und nicht vergessen: Bitte geben Sie die Prüfungsvariante "Digital" oder "Print" an.

Das Prüfungsteam sagt Danke!!!