04.01.2022

EU-Taxonomie: Was steckt dahinter?

geschrieben von Andre Feist-Lorenz

Aktuell geistern die Begriffe „Taxonomie“ und „EU-Taxonomie“ durch die Medienlandschaft. Aber worum geht es dabei eigentlich?

Seit einigen Wochen hört man immer wieder die Begriffe „Taxonomie“ oder „EU-Taxonomie“ im Zusammenhang mit dem Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Aber was steckt eigentlich dahinter? Bereits 2018 wurde im Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums der EU-Kommission die Schaffung einer "Taxonomie" für Europa gefordert. Die EU-Taxonomie für nachhaltige Aktivitäten trat dann im Juli 2020 in Kraft.

Auch weil die EU-Kommission zu Beginn des neuen Jahres mitteilte, dass Investitionen in Gas- und Atomkraftwerke unter bestimmten Bedingungen als klimafreundlich eingestuft werden könnten - nach EU-Taxonomie -, ist das Wort nun oft anzutreffen. In dem Zusammenhang, in dem Taxonomie aktuell genutzt wird, ist es als ein "Klassifizierungssystems für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten" gemeint.

Auf der Internetseite der EU-Kommission heißt es, die EU-Taxonomie solle "Unternehmen, Investoren und politischen Entscheidungsträgern geeignete Definitionen dafür liefern, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als ökologisch nachhaltig angesehen werden können. Auf diese Weise soll sie Sicherheit für Investoren schaffen, private Anleger vor Greenwashing schützen, Unternehmen helfen, klimafreundlicher zu werden, die Marktfragmentierung abschwächen und dazu beitragen, Investitionen dorthin zu lenken, wo sie am dringendsten benötigt werden." Es geht dabei um die Frage, was künftig als eine grüne Investition gilt und dann entsprechend politisch gefördert, finanziell unterstützt und ausgebaut werden soll.

Mit der Verordnung werden bislang vor allem Finanzmarktteilnehmer, z. B. Investmentfonds, die ein Finanzprodukt als ökologisch vermarkten wollen, verpflichtet, über den Anteil an ökologisch nachhaltigen Investitionen im Sinne der Verordnung in ihrem Portfolio zu berichten. Auch Unternehmen, die zur sogenannten nicht-finanziellen Berichterstattung gem. § 289 c HGB unter der EU-Richtlinie 2014/95/EU (sog. CSR-Richtlinie) verpflichtet sind (insbesondere kapitalmarktorientierte Unternehmen, Finanzinstitute und Versicherungen mit mehr als 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern), müssen künftig in ihren Erklärungen aber auch Angaben darüber aufnehmen, wie und in welchem Umfang die Tätigkeiten des Unternehmens mit ökologisch nachhaltigen Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind. Da künftig die CSR-Berichtspflichten weiter ausgedehnt werden (bspw. Unternehmen mit einer Bilanzsumme von mind. 20 Mio. € und/oder einem Nettoumsatzerlös von mind. 40 Mio. € und/oder einer durchschnittlichen Beschäftigtenanzahl von mind. 250 Personen sowie alle börsennotierten Unternehmen, ausgenommen Kleinstunternehmen), sollte man die Thematik der EU-Taxonomie also weiterhin aufmerksam verfolgen. Denn bis Ende 2022 ist voraussichtlich die Änderung der heute gültigen CSR-Richtlinie durch den deutschen Gesetzgeber umzusetzen.