12.02.2020

Neuordnung der IT-Berufe

geschrieben von Alexandra Brnicanin
Monitor
Monitore – Bild: Gerd Altmann auf pixabay

So war es

Am 01.08.1997 trat die Verordnung über die Berufsausbildung im Bereich der Informations- und Telekommunikationstechnik in Kraft. Der Ausbildungsberuf „Datenverarbeitungskauffrau-mann“ wurde durch die vier Ausbildungsberufe  „Fachinformatiker/-in“, „IT-System-Elektroniker/-in“, „IT-System-Kaufmann/-frau“, „Informatikkaufmann/-frau“ abgelöst. Eine Erfolgsgeschichte! Inzwischen werden jährlich rund 15000 Ausbildungsverträge in den vier Berufen neu geschlossen.

Aber dann ... 

Vor dem Hintergrund des rasanten Wandels im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik standen seit 2015 die IT-Berufe auf dem Prüfstand und am 01.08.2018 trat eine Änderungsverordnung in Kraft. Eine Neuordnung  der Berufe ist derzeit in Arbeit. Die neue Ausbildungsverordnung soll zum 01.08.2020 in Kraft treten

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Aktuell gültige Änderungsverordnung

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Diese Ausbildungsverordnung gilt für alle Ausbildungsverhältnisse, die bis zum 31.07.2020 geschlossen werden.

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Geplante Neuerungen auf einen Blick:

Erfreulich: Die IT-Berufe werden künftig in vier separaten Ausbildungsordnungen erscheinen. Ein Verweis innerhalb der Verordnungen macht jedoch deutlich, dass es sich nach wie vor um eine Berufsfamilie handelt.

Entsprechend wird es – wie in der alten Verordnung auch – weiterhin identische, berufsübergreifende Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten geben:

Es handelt sich dabei jeweils um die Berufsbildpositionen 1 bis 7:

  1. Planen, Vorbereiten und Durchführen von Arbeitsaufgaben in Abstimmung mit den kundenspezifischen Geschäfts- und Leistungsprozessen,
  2. Informieren und Beraten von Kunden und Kundinnen,
  3. Beurteilen marktgängiger IT-Systeme und kundenspezifischer Lösungen,
  4. Entwickeln, Erstellen und Betreuen von IT-Lösungen,
  5. Durchführen und Dokumentieren von qualitätssichernden Maßnahmen,
  6. Umsetzen, Integrieren und Prüfen von Maßnahmen zur IT-Sicherheit und zum Datenschutz
  7. Erbringen der Leistungen und Auftragsabschluss.

Darüber hinaus wird es weiterhin identische Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten geben, die integrativ – also über die gesamte Ausbildungszeit hinweg – zu vermitteln sind:

  1. Berufsbildung sowie Arbeits- und Tarifrecht,
  2. Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes,
  3. Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit,
  4. Umweltschutz und
  5. vernetztes Zusammenarbeiten unter Nutzung digitaler Medien.

Die Kern- und Fachqualifikationen in den einzelnen Berufsbildern wurden überprüft und an die industriellen Herausforderungen angepasst.

Bis auf den Informatikkaufmann bleiben die Berufsbildpositionen im Wesentlichen wie im bisherigen Ausbildungsberufsbild. Den Beruf des Fachinformatikers wird es zukünftig in 2 weiteren Fachrichtungen geben.

Übergang der Berufe
Schaubild – Bild: DIHK
Übrtgnag in die Berufe
Schaubild – Bild: DIHK
Prüfung
Kalender mit Prüfungsdatum – Bild: Gerd Altmann auf pixabay

Prüfung - Einführung der gestreckten Abschlussprüfung

Mit Einführung der neuen Ausbildungsverordnungen wird es auch in den Prüfungen Neuerungen geben: Statt der Zwischen- und Abschlussprüfung wird es zukünftig die gestreckte Abschlussprüfung geben: also die Abschlussprüfung Teil 1 und die Abschlussprüfung Teil 2.

Was ist der Unterschied?

Während die Zwischenprüfung lediglich der Ermittlung des Ausbildungsstandes diente, fließt das Ergebnis der Abschlussprüfung Teil 1 mit 20% in die Gesamtnote ein.

Abschlussprüfung Teil 1

Inhaltlich bezieht sich die Abschlussprüfung Teil 1 auf die berufsbildübergreifenden Berufsbildpositionen 1-7 (s. o.) und ist damit in allen Berufen identisch. Sie findet im Prüfungsbereich Einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzes statt.

Dabei hat der Prüfling nachzuweisen, dass er in der Lage ist,

1. Kundenbedarfe zielgruppengerecht zu ermitteln,

2. Hard- und Software auszuwählen und ihre Beschaffung einzuleiten,

3. einen IT-Arbeitsplatz zu konfigurieren und zu testen und dabei die Bestimmungen sowie die betrieblichen Vorgaben zum Datenschutz, zur IT-Sicherheit und zur Qualitätssicherung einzuhalten,

4. Kunden und Kundinnen in die Nutzung des Arbeitsplatzes einzuweisen und

5. die Leistungserbringung zu kontrollieren und zu protokollieren.

Die Prüfungsaufgaben sollen praxisbezogen sein. Der Prüfling hat die Aufgaben schriftlich zu bearbeiten. Die Prüfungszeit beträgt 90 Minuten.

Abschlussprüfung Teil 2

Teil 2 der Abschlussprüfung findet in vier weiteren Prüfungsbereichen statt:

Prüfungsbereich 2: Betriebliche Projektarbeit (alle 40h mit Ausnahme Fachinformatiker Anwendungsentwicklung 80h)  50%                                                                            

Prüfungsbereich 3: berufsspezifische Aufgabe  10%                                              

Prüfungsbereich 4: berufsspezifische Aufgabe  10%                                               

Prüfungsbereich 5: Wirtschafts- und Sozialkunde (für alle vier Berufe identisch)  10%

Die Prüfungszeit für die betriebliche Projektarbeit beträgt bei allen Berufen einschließlich der Erstellung der Dokumentation 40h (Ausnahme: FIAE 80h). In einem zweiten Teil präsentiert der Prüfling diese Arbeit. Die Prüfungszeit für diesen zweiten Teil beträgt insgesamt höchstens 30 Minuten. Die Präsentation soll höchstens 15 Minuten dauern. Beide Teile werden 50:50 gewichtet.

Der Prüfungsbereich „Anbindung von Geräten, Systemen und Betriebsmitteln an die Stromversorgung“ beim IT-Systemelektroniker ist ein Sperrfach!

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Weitere Informationen (inkl. Prüfung) zum Fachinformatiker

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Berufsbild Fachinformatiker: 1. Anwendungsentwicklung: Softwareentwicklung und Programmierung 2. Systemintegration: Systemintegration, Netzwerk, Administration 3. Digitale Vernetzung: Vernetzung, Automatisierung, Optimierung digitaler Prozesse und smarter Produkte 4. Daten- und Prozessanalyse: Datenbasierte Lösungen für digitale Produktions- und Geschäftsprozesse

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Weitere Informationen (inkl. Prüfung) zum IT-Systemelektroniker

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Berufsbild IT-Systemelektroniker: Planung und Installation von IT-Systemen und Netzwerken (einschließlich deren Stromversorgung), Service und Support für interne und externe Kunden, Anpassung von Hardware und Software an Kundenwünsche, Störungsbeseitigung

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Weitere Informationen (inkl. Prüfung) zum Kaufmann für Digitalisierungsmanagement

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Berufsbild Kaufmann für Digitalisierungsmanagement: Analyse von Daten und Prozessen, Weiterentwicklung digitaler Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse, Beschaffung von IT-Systemen

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Weitere Informationen (inkl. Prüfung) zum Kaufmann für IT-Systemmanagement

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Berufsbild Kaufmann für IT-Systemmanagement: Entwickeln von IT-Lösungskonzepten, Planen und Anbieten von IT-Systemen, Beraten von Kunden, Marketing und Vertrieb

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