13.05.2019

Europa stärken

geschrieben von Jörg A. Linden

Das "Vorab bemerkt" zur Europawahl aus der Mai-Ausgabe der "Wirtschaft im Revier".

Ich wurde dieser Tage gefragt, wie ich zu Europa und zur EU stehe? Europa und die EU sind für mich unverzichtbar und die größte politische Errungenschaft seit dem Krieg. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir Europäer unsere Einheit bewahren müssen, um in der Welt zu bestehen.


Der Brexit ist für mich ebenso unverständlich wie unerträglich. Unter dem Strich gibt es zumindest auf unserem Kontinent nur Verlierer. Und die nächste Zerreißprobe steht mit der Europawahl am 26. Mai unmittelbar bevor. Wenn wir uns vor dem Kreuzchen auf dem Wahlzettel nicht besinnen, werden europaweit bei dieser Wahl Kräfte gestärkt, die eines auf keinen Fall wollen: Europa. Das kann weder als Bürger noch als Unternehmer unser Interesse sein.


Wir haben eine Währung, unsere Kinder studieren und lernen mit jungen Menschen aus ganz Europa gemeinsam – an der RUB, an der Privaten Universität Witten/Herdecke, in anderen EU-Staaten. Wir fliegen in den Urlaub gen Süden, gehen abends beim Italiener oder Griechen essen. Wir können unsere Produkte und Dienstleistungen in einem gemeinsamen Markt anbieten, die EU ist für uns im mittleren Ruhrgebiet der Wirtschaftspartner Nr. 1. Und nicht zuletzt sind wir in dieser Einheit ein bedeutender „Player“ in einer globalisierten Welt, in der ansonsten die USA und China allein den Ton angeben würden.


Heißt für mich: Wir brauchen Europa, die Welt braucht Europa.


Dennoch ist dies kein unkritisches Plädoyer. Die EU hat – wie man das gerne formuliert – noch „jede Menge Luft nach oben“. Wir brauchen ein weniger bürokratisches und ein deutlich unternehmerfreundlicheres Europa. Unser gemeinsames Europa muss den Anspruch leben, für die Menschen da zu sein. Meine europäische Union ist offen und freundlich zu den Menschen, gerade unsere Europaabgeordneten müssen Transparenz und Bürgernähe konkret leben.


Wenn die Menschen nicht mehr wissen, warum sich die EU für sie lohnt, welche Chancen die EU bietet, warum ein geeintes Europa für uns alle Frieden bedeutet – dann muss man es ihnen sagen und zeigen.


Wir alle müssen am 26. Mai die Einheit Europas stärken. Weil es gut für uns alle ist.


Wilfried Neuhaus-Galladé

Präsident