24.06.2020

Update 12.11.2020: Ausbildungsförderung in Corona-Zeiten: Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern"

geschrieben von Alexandra Brnicanin

"Ja" zur Ausbildung! Ausbildungs- und Übernahmeprämie stärken die Fachkräftesicherung auch in der Corona-Krise.

UPDATE 06.08.2020

Die Förderrichtlinie für die Punkte 2.1 - 2.4 (s. Downloadbereich) wurde erarbeitet und trat am 01.08.2020 in Kraft. Die Förderung wird über die Agenturen für Arbeit beantragt. Der Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit informiert hierzu: 0800 4 55 55 20. 

Vorgehen:

1. Laden Sie sich hier den jeweiligen Antrag und die notwendigen Anhänge herunter:
https://bit.ly/AfAAusbildungsplätzesichern. Auf dieser Seite finden Sie auch Ausfüllhinweise.

2. Wenn die Förderung für eine Ausbildung in der Zuständigkeit der IHK beantragt wird, senden Sie uns die von Ihnen ausgefüllte  "Bescheinigung der zuständigen Stelle" bitte ausschließlich an folgende Adresse: bescheinigung@netzn.ihk.de. Warum nur ausgefüllte Bescheinigungen? Wir erwarten ein hohes Aufkommen und so können wir das Verfahren beschleunigen. Und Schnelligkeit zahlt sich aus: die Fördermittel sind begrenzt und es besteht kein rechtlicher Anspruch auf Auszahlung der Prämie!
Um mit der Bearbeitung zügig vorankommen zu können, bitten wir von postalischen Zusendungen und telefonischen Anfragen abzusehen.

3. Sie sind sich nicht sicher, wer die für Sie zuständige Stelle ist? Finden Sie es mit dem Verzeichnis der anerkannten Berufsausbildungen heraus (s. Downloadbereich). Sie sind zwar IHK-Mitglied, aber nicht im Kammerbezirk Mittlers Ruhrgebiet? Kein Problem! Hier geht es zu Ihrer zuständigen IHK: https://www.ihk.de/#ihk-finder .

—Stand: 06.08.2020

Um zu verhindern, dass die COVID-19-Krise zu einer Krise für die berufliche Zukunft junger Menschen und der Fachkräftesicherung wird, wurde  das Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern" verabschiedet.

In fünf Förderlinien werden gefördert (s. Downloadbereich - Flyer Bundesagentur für Arbeit):

2.1 Ausbildungsprämie: Betriebe, die ihre Ausbildungskapazitäten beibehalten,

2.2 Ausbildungsprämie plus: Betriebe, die ihre Ausbildungskapazität erweitern,

2.3 Zuschuss zur Ausbildungsvergütung zur Vermeidung von Kurzarbeit: Betriebe, die Kurzarbeit für Auszubildende und Ausbilder vermeiden,

2.4 Übernahmeprämie: Betriebe, Überbetriebliche Berufsbildungsstätten (ÜBS) oder andere etablierte Ausbildungsdienstleister, die bestimmte Auszubildende im Rahmen der Auftrags- oder Verbundausbildung aufnehmen oder Betriebe aus allen Wirtschaftsbereichen, die Auszubildende aus pandemiebedingt insolventen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bis zum 31. Dezember 2020 für die Dauer der restlichen Ausbildung übernehmen .

2.5 Förderung von Auftrags- und Verbundausbildung: für Auszubildende in KMU, die ihre Ausbildung temporär nicht im eigenen Betrieb weiterführen können, weil der Betrieb vollständig oder zu wesentlichen Teilen pandemiebedingt von Schließungen oder erheblichen Auflagen, die eine Fortsetzung des Geschäftsbetriebs maßgeblich behindern, betroffen ist.

Für alle Förderlinien gilt einheitlich: 

  • Förderberechtigt sind kleine und mittlere Unternehmen: Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind solche mit bis zu 249 Beschäftigten. Als Beschäftigtenzahl wird die Zahl der Mitarbeiter in Vollzeitäquivalenten  zum Stichtag 29. Februar 2020 zugrunde gelegt. Bei verbundenen Unternehmen werden die Beschäftigten der einzelnen Unternehmen zusammen berücksichtigt:
    • Mitarbeiter mit nicht mehr als 10 Arbeitsstunden = 0,25
    • Mitarbeiter mit nicht mehr als 20 Stunden = 0,50
    • Mitarbeiter mit nicht mehr als 30 Stunden = 0,75
    • Mitarbeiter im passiven Teil der Altersteilzeit zählen als Mitarbeiter 
  • Für die Förderung kommen KMU in Betracht, die eine Berufsausbildung in anerkannten
    Ausbildungsberufen oder in den bundes- und landesrechtlich geregelten praxisintegrierten Ausbildungen im Gesundheits- und Sozialwesen durchführen.
  • Praktika sind ausgeschlossen. 
  • Es wird nur eine Prämie pro Ausbildung gezahlt.
  • Neben den Förderungen  ist die Inanspruchnahme anderer Programme des Bundes oder der Länder mit gleicher Zielrichtung oder gleichem Inhalt nicht möglich. Das Unternehmen entscheidet, welche Förderung es in Anspruch nehmen will.
  • Eine kumulative Förderung im Rahmen der Maßnahmen  ist ausgeschlossen. Anmerkung der IHK MR: diese Verbundförderung läuft unabhängig von Verbundförderungen von Betrieben, die Ausbildungsinhalte einer Ausbildungsordnung nicht selbständig vermitteln können!

Bitte prüfen Sie vor Antragstellung, ob Sie diese Kriterien erfüllen.

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2.1. Ausbildungsprämie bei Erhalt des Ausbildungsniveaus:

Ziel: Ausbildungsbetriebe und ausbildende Einrichtungen dazu motivieren, ihr Ausbildungsniveau im Vergleich zu den Vorjahren aufrecht zu erhalten, um mittelfristig den Fachkräftebedarf in Deutschland decken zu können.

Eine Förderung setzt voraus, dass das Unternehmen sein Ausbildungsniveau im Jahr 2020 im Vergleich zu den drei Vorjahren nicht verringert:

Verglichen werden die Ausbildungsverträge, die für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossen worden sind, mit dem Durchschnitt der über die letzten drei Jahre (2017-2019) abgeschlossenen Ausbildungsverträge.

Gefördert wird bei Vorliegen der Voraussetzungen durch einen einmaligen Zuschuss
in Höhe von 2.000 Euro für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen
Ausbildungsvertrag.
Die Auszahlung erfolgt nach dem Ende der erfolgreich abgeschlossenen
Probezeit.

2.2 Ausbildungsprämie bei Erhöhung des Ausbildungsniveaus:

Ziel: Ausbildungsbetriebe und ausbildende dazu motivieren, ihr Ausbildungsniveau im Vergleich zu den Vorjahren nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern sogar zu erhöhen.

Eine Förderung setzt voraus, dass das Unternehmen sein Ausbildungsniveau im Jahr 2020 im Vergleich zu den drei Vorjahren erhöht. Verglichen werden die Ausbildungsverträge, die für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossen worden sind, mit dem Durchschnitt der über die letzten drei Jahre (2017-2019) abgeschlossenen Ausbildungsverträge.

Gefördert wird bei Vorliegen der Voraussetzungen - anstelle der Förderung über 2.000 Euro nach Maßnahme (2.1) – durch einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 3.000 Euro für jeden über das frühere Ausbildungsniveau zusätzlich für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Ausbildungsvertrag. Die Auszahlung erfolgt auch in diesem Falle nach dem Ende der erfolgreich abgeschlossenen Probezeit.

Antragsberechtigt für die Ausbildungsprämie nach (2.1) und (2.2) sind kleine und mittelere Unternehmen (KMU), die durch die COVID-19-Krise in erheblichem Umfang betroffen sind. Davon ist auszugehen, 

  • wenn das Unternehmen in der ersten Hälfte des Jahres 2020 wenigstens einen Monat Kurzarbeit durchgeführt hat oder
  • der Umsatz in den Monaten April und Mai 2020 um durchschnittlich mindestens 60 Prozent gegenüber April und Mai 2019 eingebrochen ist. 
  • Bei Unternehmen, die nach April 2019 gegründet worden sind, sind statt der Monate April und Mai 2019 die Monate November und Dezember 2019 zum Vergleich heranzuziehen.

2.3.  Förderung bei Vermeidung von Kurzarbeit während der Ausbildung

Ziel der Förderung ist es, Kurzarbeit bei Auszubildenden zu vermeiden, um den erfolgreichen
Abschluss der begonnenen Ausbildung sicherzustellen.

Antragsberechtigt sind KMU, die ihre laufenden Ausbildungsaktivitäten trotz der Belastungen
durch die COVID-19-Krise fortsetzen und Auszubildende sowie deren Ausbilder trotz erheblichem Arbeitsausfall nicht in Kurzarbeit bringen:

Erforderlich ist ein Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozent im gesamten Betrieb. Anderenfalls wird davon ausgegangen, dass die Ausbildungsaktivitäten auch ohne Förderung wie üblich fortgesetzt werden können.

Die Förderung erfolgt in Höhe von 75 Prozent der Brutto-Ausbildungsvergütung für jeden Monat, in dem im Betrieb ein Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozent zu verzeichnen ist. Bemessungsgrundlage ist das sich auf Grundlage der im Ausbildungsvertrag vereinbarten Ausbildungsvergütung ergebende Arbeitgeber-Brutto ohne Berücksichtigung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Eine Förderung erfolgt frühestens ab Inkrafttreten der Förderrichtlinie. Sie ist befristet
auf Zeiten bis zum 31. Dezember 2020.

2.4. Übernahmeprämie
Ziel: Sicherung der Weiterführung von Ausbildungsverhältnissen bei pandemiebedingter Insolvenz eines ausbildenden KMU.

Eine pandemiebedingte Insolvenz wird bei KMU angenommen, 

  • über die bis zum 31. Dezember 2020 das Insolvenzverfahrens eröffnet worden ist und 
  • die sich vor dem 31. Dezember 2019 gemäß EU-Definition nicht in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befunden haben.

Antragsberechtigt sind KMU aus allen Wirtschaftsbereichen, die Auszubildende aus
pandemiebedingt insolventen KMU bis zum 31. Dezember 2020 für die Dauer der
restlichen Ausbildung übernehmen.

Die Förderung erfolgt bei Vorliegen der Voraussetzungen durch eine einmalige Übernahmeprämie in Höhe von 3.000 Euro pro aufgenommenem Auszubildenden an
das aufnehmende KMU.

Eine Förderung erfolgt frühestens ab Inkrafttreten der Förderrichtlinie. Sie ist befristet
auf Zeiten bis zum 30. Juni 2021.

Hilfe bei der Vermittlung aus Insolvenzen

Betriebe, die zur Sicherung der Weiterführung von Ausbildungsverhältnissen bei pandemiebedingter Insolvenz einen Auszubildenden aufnehmen wollen, werden durch unsere Matcherinnen unterstützt!

Auch Bewerber aus insolventen Betrieben erhalten bei der Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz Hilfe!

update
Post-it mit dem Wort: update – Bild: OpenClpart-Vectors auf Pixabay

UPDATE 12.11.2020

Hinsichtlich der  Förderung von Auftrags- und Verbundausbildung mit dem Ziel der Stimulierung der stärkeren Nutzung von Verbund- oder Auftragsausbildung im Ausbildungsjahr 2020/21 für Auszubildende in KMU wurde die Förderrichtlinie erlassen. Informationen hier: https://bit.ly/netznCoronaVerbund.

FAQ

Ergänzend zu der FAQ-Liste des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (s. Downloadbereich) beantworten wir hier weitere Fragen:

Wie lange laufen die Maßnahmen?

Förderungen sollen für folgende Zeiträume möglich sein:

  • Zu 1+2 Ausbildungsprämien: für das Ausbildungsjahr 2020/2021.
  • Zu 3 Vermeidung von Kurzarbeit: bis zum 31. Dezember 2020.
  • Zu 4 Auftrags- und Verbindausbildung: bis zum 30. Juni 2021.
  • Zu 5 Übernahmeprämie: bis 30. September 2021.

Können die Förderungen auch für Verträge beantragt werden, die bereits geschlossen wurden?

Ja.

Wie berechnet man Vollzeitäquivalente?

  • Mitarbeiter mit nicht mehr als 10 Arbeitsstunden = 0,25
  • Mitarbeiter mit nicht mehr als 20 Stunden = 0,50
  • Mitarbeiter mit nicht mehr als 30 Stunden = 0,75
  • Mitarbeiter im passiven Teil der Altersteilzeit zählen als Mitarbeiter

Bis wann muss der Förderantrag bei der Agentur für Arbeit gestellt werden?

Bis zu 3 Monate nach erfolgreichem Abschluss der Probezeit.

Wer ist nicht förderberechtigt?

  • Betriebe mit Sitz im Ausland,
  • Arbeitgeber der öffentlichen Hand, wie Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts,
  • privatrechtliche Unternehmen und Organisationen, an denen die öffentliche Hand die Kapitalmehrheit hält oder deren Finanzierung überwiegend durch öffentliche Mittel erfolgt,
  • Schulen und Hochschulen.