22.03.2021

02.04.2021: Welt-Autismus-Tag

geschrieben von Alexandra Brnicanin

Wie Autisten die Arbeitswelt bereichern können: "I can learn, I can work": Das Motto des Welt-Autismus-Tages 2021.

Der internationale Welt-Autismus-Tag 

Seit 2008 findet jährlich am 02. April der Welt-Autismus-Tag statt. Er wurde von den Vereinten Nationen eingeführt. An diesem Tag soll das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, Unabhängigkeit und das Recht auf Bildung und Beschäftigung auf gleichberechtigter Basis in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken.

In der Medizin und Psychologie wird Autismus als eine tiefgreifende Entwicklungsstörung beschrieben, die als Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert wird.

Drei Formen werden unterschieden:

  • Frühkindlicher Autismus,
  • Asperger-Syndrom,
  • Atypischer Autismus.

Wie das Wort „Störung“ impliziert, geht man in dieser Art von Definition vom Defizitansatz aus.

Neurodivers statt pathologisch

Das Konzept der „Neurodiversität“ hingegen erkennt neurobiologische Unterschiede bei Menschen als eine Disposition unter anderen an. Es erkennt daher z.B. Autismus, AD(H)S, Dyskalkulie, Legasthenie und Dyspraxie als eine natürliche Form der menschlichen Diversität an.

Viele Betroffene wünschen sich diese andere Sichtweise, denn nicht wenige Autisten finden auch aufgrund ihrer Andersartigkeit keine Arbeit. 

Schätzungen zufolge sind in Deutschland*

  • rund 520.000 Menschen von Autismus betroffen, jeder Vierte hat das Asperger-Syndrom. Eine hohe Dunkelziffer wird angenommen.
  • 30% bis 55% der autistischen Menschen ohne Arbeit.
  • 40% bis 65% in Werkstätten für behinderte Menschen beschäftigt.
  • Lediglich 5% der autistischen Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt.

*Quellen: www.autismus.de, Prof. Dr. Matthias Dalferth in "Autismus in Forschung und Gesellschaft", Hrsg.: Bundesverband Autismus Deutschland e.V., 2014.

Immer wieder erreichen uns Anrufe von Personalverantwortlichen, die einen Autisten beschäftigen möchten, aber verunsichert sind, wie sie mit diesem Mitarbeiter umgehen sollen und wie die Kollegen reagieren werden. Wir wollen den Welt-Autismus-Tag daher dazu nutzen, um Informationen zum Autismus und Tipps zur Einrichtung einer autismusfreundlichen Arbeitumgebung zu geben.

—Arbeitsteam Diversity

In der modernen Personalarbeit ist es kein Geheimnis, dass Menschen nur so gut und effektiv arbeiten können, wie es ihr Umfeld ihnen ermöglicht. Das gilt für jeden Mitarbeiter. Egal ob neurotypisch oder neurodivers.

Während z.B. die einen in Co-Working Büros aufblühen, steuern andere in einer solchen Umgebung dem Burn-out entgegen.

Um ein optimales Arbeitsumfeld zu ermöglichen, ist es wichtig, die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu kennen. Das gilt auch für Autisten.

Natürlich ist nicht jeder Autist gleich. Autismus wirkt sich jedoch – je nach Ausprägung – mehr oder minder stark auf diese drei alltäglichen Bereiche aus:

  • Wahrnehmung,
  • Denkweise,
  • (soziale) Interaktion.

Sinneswahrnehmung von Autisten

Autisten haben eine andere Wahrnehmung als das, was als „normal“ oder „neurotypisch“ betrachtet wird. Sie verarbeiten Sinnes- und Umweltsignale auf eine ganz eigene Art und Weise. Sie verhalten sich dadurch nicht immer so, wie es von außen erwartet wird. Sie können soziale und emotionale Signale nur schwer einschätzen und haben ebenso Schwierigkeiten, diese auszusenden.

Wenn man sich über Autisten und ihre individuelle Wahrnehmung, Denkweise und Interaktion informiert, kann man eine autismusfreundliche Arbeitsumgebung schaffen und als Arbeitgeber sehr von den individuellen Stärken profitieren.

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit. Stellen Sie sich vor, Sie würden die Welt auf diese Weise wahrnehmen:

Soziale Interaktion: Auf den Blickwinkel kommt es an

Text:

Autistische Eigenschaften irritieren häufig das soziale Umfeld. Sie sind nicht per se gut oder schlecht. Richtig eingesetzt können Sie auch am Arbeitsplatz Vorteile bringen. Entscheiden Sie selbst!

Ehrlichkeit vs. Unhöflichkeit

Detailblick vs. Pedanterie

Individualität vs. Teamunfähigkeit

Faktenorientierung vs. Besserwisserei

Reizsensibilität vs. Nicht belastbar

Spezialinteressen und enzyklopädisches Wissen vs. Sich nicht um wirklich wichtige Dinge kümmern

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Informationen für Arbeitgeber

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Einige Unternehmen haben bereits die Stärken von Autisten erkannt und beschäftigen diese bewusst. Und dies mit großem Erfolg. Der Bundesverband zur Förderung vom Menschen mit Autismus „autismus Deutschland e. V.“ hat folgendes Informationsblatt für Arbeitgeber und Arbeitskollegen veröffentlicht:

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LWL-Landschaftsverband Westfalen Lippe - Inklusionsamt Arbeit

Natürlich sind die Unternehmen bei der Integration von Autisten in ihren Betrieb nicht allein auf sich gestellt. Das Inklusionsamt bietet Beratung und Unterstützung zum Thema Arbeit, zu begleitenden Hilfen im Arbeitsleben (§ 185 Abs. 5 SGB IX) und auch zu möglichen finanziellen Leistungen und deren Beantragung:

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Unterstützungsleistungen

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Wenn Sie sich über mögliche Unterstützungsleistungen weiter informieren wollen, empfehlen wir den Rechtsratgeber des Bundesverbandes autismus Deutschland e.V. Dieser richtet sich als Zielgruppe nicht an Unternehmen, fasst aber alle Unterstützungsmöglichkeiten übersichtlich zusammen.

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