11.09.2020

Werden Sie öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der IHK !

geschrieben von Karim Agdouche

Wie wird man öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger?. Der folgende Beitrag gibt einen kurzen Überblick.

Unsere IHK ist nach § 36 Gewerbeordnung (GewO) in Verbindung mit unserem einschlägigen Landesrecht und unserer Sachverständigenordnung auf dem Gebiet der Wirtschaft für eine öffentliche Bestellung und Vereidigung von Sachverständigen zuständig. Die öffentliche Bestellung dient dem Zweck, Auftraggebern - insbesondere Gerichten
für die Anfertigung von Gerichtsgutachten, aber auch Behörden, Wirtschaft und
der Allgemeinheit - solche Sachverständige zur Verfügung zu stellen, deren besondere
fachliche Qualifikation und persönliche Integrität überprüft wurden und deren
Aussagen besonders glaubhaft sind. Der Auftraggeber soll darauf vertrauen können,
dass diese Sachverständigen auf ihrem Bestellungsgebiet „besondere Sachkunde“,
das heißt überdurchschnittliche Fachkenntnisse und Erfahrungen aufweisen und
zudem persönlich geeignet, das heißt zuverlässig und glaubwürdig sind und Gewähr
dafür bieten, ihre Gutachten unparteiisch, unabhängig, nach bestem Wissen und
Gewissen zu erstatten.


  • Welche Voraussetzung muss ich erfüllen?

Voraussetzung für eine öffentliche Bestellung ist:

  • ein sog. abstraktes Bedürfnis für eine öffentliche Bestellung auf dem beantragten Sachgebiet, d.h. eine nicht unerhebliche Nachfrage nach Sachverständigenleistungen auf dem Gebiet,
  • die besondere Sachkunde, die Sie uns nachweisen müssen und
  • die persönliche Eignung des Antragsstellers.

Damit unsere IHK in eine erste Vorprüfung eintreten kann, inwieweit in Ihrem Fall die genannten Voraussetzungen vorliegen, bitten wir Sie, uns folgende Unterlagen einzureichen:

  • Frei formuliertes Bewerbungsschreiben mit genauer Angabe des Sachgebietes, auf dem die besondere Sachkunde vorhanden ist.
  • Antrag gemäß beiliegendem Formular 
  • Lebenslauf mit ausführlicher Darstellung des beruflichen Werdeganges, gerade in Bezug auf das beantragte Sachgebiet
  • Ein aktuelles Passfoto
  • Kopien der antragsrelevanten Zeugnisse und Beschäftigungsnachweise.
  • Aktuelles polizeiliches Führungszeugnis zur Vorlage bei einer Behörde.
  • Für den Fall, dass Sie sich in einem Angestelltenverhältnis befinden: Freistellungserklärung des Arbeitgebers gemäß § 3 Absatz 3 unserer Sachverständigenordnung (Muster s. Anlage).
  • Vorlage von mindestens drei durch Sie erstattete aktuelle Gutachten auf dem beantragten Sachgebiet mit einer Liste der bereits auf dem Sachgebiet erstellten Gutachten.


  • Wie weise ich meine Sachkunde nach ?

Es sind überdurchschnittliche Fachkenntnisse, Fähigkeiten und langjährige berufspraktische
Erfahrungen auf dem betreffenden Sachgebiet erforderlich. Allein der
Nachweis, dass der Beruf bisher ordnungsgemäß ausgeübt wurde, ist noch nicht
ausreichend. Vielmehr kommt es darauf an, dass die fachliche Qualifikation deutlich
über das hinausgeht, was von durchschnittlich qualifizierten Fachkolleginnen/-kollegen
erwartet werden kann. Eine nähere Konkretisierung enthalten die fachlichen
Bestellungsvoraussetzungen, die es für eine Reihe von Sachgebieten gibt (abrufbar
auf der Internet-Seite des Instituts für Sachverständigenwesen IfS unter
www.ifsforum.de). 

Zur Überprüfung der besonderen Sachkunde wird in den meisten Fällen ein so genanntes
Fachgremium eingeschaltet, das mit unabhängigen Fachleuten des entsprechenden
Fachgebietes besetzt ist. Dieses Fachgremium erhält die von der Bewerberin/
dem Bewerber vorgelegten Gutachten zur Überprüfung und prüft dann
mittels eines Fachgespräches die Bewerberin/den Bewerber, ggf. nach zuvor anzufertigenden
schriftlichen Ausarbeitungen, auf die nötige Qualifikation hin.
Soweit die Überprüfung der besonderen Sachkunde vor dem Fachgremium nicht
erfolgreich war, befindet die IHK darüber, ob eine Wiederholung möglich ist.
Im Rahmen des Nachweises der besonderen Qualifikation werden neben den
schriftlichen Arbeitsproben weitere Unterlagen berücksichtigt, wie beispielsweise
Veröffentlichungen, Aufsätze, Lehrveranstaltungen, Referenzen etc.

Eine Antragsrücknahme ist jederzeit, in jedem Stadium des Verfahrens möglich.


  • Was bringt mir die Vereidigung als öffentlich bestellter Sachverständiger?

Wurden sie als Sachverständiger öffentlich bestellt und vereidigt dürfen sie sich fortan als von der IHK öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger betiteln (diese Bezeichnung ist strafrechtlich geschützt). Die öffentliche Bestellung und Vereidigung zum Sachverständigen ist rechtlich betrachtet die Zuerkennung einer besonderen Qualifikation, die der Aussage des Sachverständigen einen höheren Wert verleiht. Sie werden bevorzugt von den Gerichten in Zivil- und Strafsachen herbeigezogen, um Gutachten zu erstellen.


  • Wie lange ist meine Bestellung befristet ?

Die öffentliche Bestellung wird auf 5 Jahre befristet. Bei einer erstmaligen
Bestellung und in begründeten Ausnahmefällen, insbesondere bei Zweifeln über
die Fortdauer der persönlichen oder fachlichen Eignung des Sachverständigen,
kann die Frist von 5 Jahren unterschritten werden.


Haben wir Ihr Interesse geweckt?. Dann freuen wir uns auf Ihre Bewerbung.

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.